Super, super Fragen. Freut mich sehr, dass ihr so tief im Thema drin seid.
Transkript aus dem Webinar:
Warum sind wir in Deutschland sichtbar, in Österreich und der Schweiz aber kaum?
Laut Sistrix sind wir im deutschen Markt schon relativ gut präsent, in Österreich und der Schweiz aber kaum. Liegt das daran, dass wir getrennte Länderwebsites haben und die Märkte getrennt voneinander bewertet werden? Die Inhalte sind gleich, aber im deutschen Markt sind wir natürlich bekannter und aktiver.
Ich vermute mal, dass ihr in Sistrix auch Prompts trackt, wir also nicht über Keywords reden, sondern über Prompts. Und hier ist es so: Du hast deine Frage eigentlich schon selbst fantastisch beantwortet.
In jedem Markt werdet ihr unterschiedliche Informationsnetzwerke haben. Darüber haben wir heute nicht gesprochen, aber es gibt eine Studie der University of Toronto, die zeigt, dass die Sprache des Prompts bestimmt, welche Quellen herangezogen werden. In deinem Fall ist die Sprache gleich. Trotzdem gibt es in jedem Markt andere Player und ein anderes Informationsnetzwerk, das man bespielen muss.
Das Coole ist: Wenn ihr in Österreich und der Schweiz nicht so bekannt seid, braucht es hier tendenziell nicht viel, weil das Informationsnetzwerk kleiner ist. Dementsprechend ist auch der Aufwand kleiner. Wobei die Schweiz tendenziell ein schwieriger Markt ist, wie jeder weiß, der dort schon mal versucht hat, Marketing zu machen.
Wie finde ich heraus, welche Domains in meinem Informationsnetzwerk zitiert werden?
Sehr gute Frage. Ich finde das primär über Prompt Tracking heraus. Es gibt ganz viele Anbieter, zum Beispiel Profound und so weiter. Damit tracke ich die Prompts, die ich für meine Kategorie für relevant halte, und bekomme zurück, wie die Antwort erstellt wurde. Welche Quellen hat ChatGPT herangezogen, welche der Google KI-Modus und so weiter?
Wenn ich das über einen signifikanten Zeitraum mache, ist die Stichprobe, würde ich mal sagen, statistisch relevant. Dann kann man sich ansehen, was die signifikanten Quellen in den unterschiedlichen Modellen sind, vielleicht sogar auf URL-Ebene.
Und ihr werdet herausfinden, dass das total unterschiedlich ist. Wir haben gerade ein riesiges AI Visibility Audit für Evergreen Media gemacht. Evergreen Media ist zum Beispiel in ChatGPT etwas weniger sichtbar. Der Grund dafür: ChatGPT gewichtet in unserer Kategorie eine Quelle wie Sortlist extrem hoch. Dementsprechend ist es wichtig, dort vertreten zu sein.
Das heißt, ohne dieses Tracking wird dein Netzwerk nicht sichtbar. Deswegen ist das Tracking sowieso das Fundament.
Wir haben also unser Tracking, unsere Selbstauskunft, unsere Logfile-Analyse und unsere Nachfragesignale. Direkten Traffic kann ich in Analytics messen. Markensuchanfragen kann ich extrem gut in der Google Search Console messen. Und vielleicht auch Referrals, wo dann drinsteht: Die Person ist über OpenAI zu uns gekommen.
Das Allerwichtigste, falls heute auch Leute dabei sind, die nicht vom Fach sind: Nur auf den Referral Traffic zu achten, ist komplett falsch. Falscher kann man gar nicht liegen. Das Ziel dieser Oberflächen ist nicht, Klicks zu senden, und das Web entwickelt sich in Richtung Zero Click. Das heißt nicht, dass es irgendwann keine Klicks mehr gibt. Aber immer mehr Informationen und Antworten werden einfach angezeigt, und ich als Marke bin ein Fragment in dieser KI-Erfahrung.
Es ist nicht unrealistisch zu glauben, dass es irgendwann in eine Richtung geht, in der Medien von Maschinen zwischenkuratiert werden, basierend auf meinem Kontext. Ich habe mein E-Mail-Konto verbunden, mein Drive verbunden, mein Handy verbunden und so weiter und so weiter. Die Maschine spuckt mir dann etwas aus, und ich als Marke bin nur ein Fragment in dieser Erfahrung.
Welche Rolle spielen Social Media und YouTube für die KI-Sichtbarkeit?
Fantastische Frage. Hier habe ich immer ein Modell im Kopf, das wahnsinnig hilfreich ist: KI-Sichtbarkeit beruht auf drei Datenschichten.
Die unterste Schicht ist deine Entität. Die definierst du auf deiner Website, in Verzeichnissen deiner Branche und auf Wikipedia. Dort wird grundsätzlich definiert, was du bist, für wen und in welchem Kontext du warum die richtige Empfehlung bist.
Darauf kommt externe Validierung. Denn was ich selbst über mich sage, kann auch Bullshit sein. Externe Validierung heißt: Was sagen andere über mich? Damit meine ich Autoritäten in meiner Branche, Fachmedien, Publisher und so weiter. Die sollten idealerweise validieren, was ich über mich selbst sage.
Die oberste Datenschicht, die Glasur, ist Community. Da sind Sachen wie LinkedIn, YouTube und Reddit. Die können tendenziell nicht allein Bedeutung erzeugen. Das heißt, sie können nicht allein eine fiktionale Brand erschaffen. Aber sie können dir negative oder positive Attribute geben. Das haben wir im Beispiel der Software aus dem Gesundheitswesen gesehen: Die Marke ist sichtbar, durch Reddit aber mit einem negativen Beigeschmack.
Social Media ist dementsprechend in den meisten Netzwerken vertreten. Man muss sich aber eben wieder ansehen, wie das eigene Netzwerk aussieht. Social Media ist die Glasur, das Topping auf dem Kuchen. Vorher muss ich meine Entität bauen und die Validierung durch Drittquellen aufbauen.
Wie finde ich heraus, wie KI unsere Marke kategorisiert?
Am besten im Prompt-Tracking-Tool. Dort stellst du Fragen zu deiner Marke und vielleicht auch Vergleichsfragen zu deiner Konkurrenz, also: Was unterscheidet die? Dann findest du extrem gut heraus, wie unterschiedliche Modelle euch kategorisiert haben.
Was tun, wenn KI falsche oder veraltete Infos über mein Unternehmen ausgibt?
Im Netz stehen noch falsche und veraltete Infos über unser Unternehmen, und KI-Systeme finden sie. Das Unternehmen hat sich verändert, alte Aussagen stimmen nicht mehr.
Oh, gute Frage. Mit deinem Prompt Tracking findest du heraus, welche Quellen das sind. Und dann wirst du diese Quellen fixen müssen. Wenn es Verzeichnisse sind, musst du diese Verzeichnisse updaten. Wenn es deine eigenen Profile sind, musst du sie updaten. Wenn es Drittquellen sind, musst du die Personen dahinter kontaktieren, damit die Änderung vorgenommen wird.
Wir hatten dasselbe Problem. Wir haben uns ja irgendwann umpositioniert, und vieles war noch veraltet. Gut ist: Wenn etwas alt ist, ziehen die Modelle es tendenziell irgendwann nicht mehr heran. Wenn sie sonst nichts finden, verwenden sie aber auch alte Sachen. Dann muss ich die fixen. Und das ist eine der Kernaufgaben in dieser Branche, wenn ich dieses Netzwerk managen will.
Vielen Dank für diese fantastische Frage.
Wie werden wir in einem Nischenmarkt mit kaum Suchvolumen sichtbar?
Wir sind ein Maschinenbauunternehmen und versorgen einen absoluten Nischenmarkt. Die Suchzahlen sind so klein, dass sie oft nicht ausgewiesen werden. Welche Möglichkeiten haben wir?
Auch du beantwortest deine Frage eigentlich schon selbst. Schauen wir uns an, wie Suchmaschinenoptimierung früher funktioniert hat: Da habe ich Keywords, und in einem Nischenmarkt haben die extrem wenig Suchvolumen. Das Potenzial war in diesen Bereichen also tendenziell nicht so hoch.
Mit KI-Systemen kann ich jetzt super spezifisch suchen. Wenn ich die Zielgruppe bin, werde ich euch finden. Euer Vorteil: Euer Netzwerk wird klein sein oder primär aus eurer Website bestehen. Das heißt, ihr könnt sehr viel über eure Website lösen. Beantwortet entlang der Customer Journey alle Fragen sauber. Beantwortet sauber, was ihr seid, für wen und in welchem Kontext ihr die beste Empfehlung seid.
Ein gutes Beispiel, mit dem ihr euch vergleichen könnt, ist Janitza. Die sind auch in so einer extremen Nische unterwegs und machen Sachen für Data Center. Da gibt es nicht so viele Unternehmen, und dementsprechend können die viel über die eigene Website managen.
Wie finde ich die Prompts meiner Zielgruppe, die nah an der Kaufentscheidung sind?
Wie kann ich pragmatisch die relevanten Prompts meiner Zielgruppe identifizieren, die nah an der Entscheidung sind? Vor allem die nischigen Prompts und Situationen.
Ich erzähle dir mal, was die besten Cases bei unseren Kunden waren. Es kommt aber immer darauf an, welche Daten du hast. Die ideale Lösung sind Daten aus der Suche, also aus der Google Search Console, kombiniert mit echten Transkripten, zum Beispiel aus Sales-Gesprächen mit echten Menschen. Das ist mega wertvoll. Was wir außerdem sehr gerne machen, sind Interviews mit Marketing und Vertrieb.
So kitzelt man das alles heraus. Man sieht, welche Wörter die Zielgruppe verwendet, was typische Einwände und typische Stolpersteine sind, und kann darauf sein Prompt-Setup bilden. Wenn man das sauber macht, nennen wir das ein validiertes Prompt-Set. Da steckt kein automatisch generierter Blödsinn aus den Tools drin, der wahrscheinlich komplett an der Zielgruppe vorbeigeht. Es basiert auf der echten Sprache der Zielgruppe, und damit habe ich einen unglaublich wertvollen Einblick.
Wie wirkt sich weniger Website-Traffic auf Direct Sales und Conversion aus?
Wenn im KI-Zeitalter die Marketingpräsenz immer wichtiger wird und die Website gleichzeitig weniger Traffic und Sichtbarkeit erzeugt: Wie wirkt sich das perspektivisch auf Direct Sales und Conversion aus? Und wie halte ich sie stabil?
Gute Frage, komplizierte Frage. Muss ich kurz drüber nachdenken.
Du darfst nicht vergessen: Die Nachfrage geht nicht runter. Es ändert sich nur, wie Nachfrage mit Angebot gematcht wird. Es geht eher darum: Wie bin ich zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle? Natürlich werde ich höchstwahrscheinlich weniger Klicks bekommen. Aber ich kann trotzdem entlang der Customer Journey immer wieder sichtbar werden. Es geht einfach alles darum, dieses Netzwerk, das für mich wichtig ist, gut zu managen. Und auch auf den Plattformen präsent zu sein, die vielleicht unabhängig von Suche und unabhängig von KI-Systemen sind.
Nehmen wir das andere Beispiel: Wir sind ein Maschinenbauunternehmen, oder ich bin Elektromechaniker, was auch immer. Dann will ich in den Fachmedien präsent sein. Denn was mache ich dadurch? Ich bin präsent für Entscheider. Ich baue Autorität für Suchmaschinen auf. Und ich komme idealerweise, wenn es wichtige Plattformen sind, in die Trainingsdaten für mein Netzwerk. Mega wertvoll. So muss man darüber nachdenken.
Dieses „Ich kriege so viele Klicks und am Ende kommt so viel raus“ ändert sich aber. Das Nutzerverhalten ändert sich, und wir müssen uns darauf anpassen. Das ist jetzt keine fertige Antwort. Aber ich würde mal sagen, um mich selbst zu loben: spontan eine ganz gute Antwort.
Wie können wir mit Instagram und LinkedIn beeinflussen, was KI über uns sagt?
Wir haben reichweitenstarke Social-Media-Accounts auf Instagram und LinkedIn. Welche pragmatischen Ansätze siehst du, wie wir mit diesen Assets die KI beeinflussen können? Was nimmt die KI von diesen Plattformen mit, und wie wirkt die Community?
Ganz wichtig: Ohne Diagnose weißt du nicht, ob diese Plattformen in deinem Netzwerk sind und einen maßgeblichen Einfluss haben. Das muss ich mir ansehen.
Tendenziell hat Instagram wenig Einfluss auf KI-Systeme. LinkedIn hat durchaus Einfluss. Was bei LinkedIn funktionieren kann, sind einerseits Posts und andererseits Artikel. Was ich immer empfehle: Eure Company-Accounts sind in dieser Hinsicht ziemlich wertlos. Was gut funktioniert, sind Corporate Influencer, die Artikel und Posts machen.
Aber bevor man das macht: Sieh dir an, ob das in eurem Netzwerk wirklich einen Impact hat und Teil dieses Netzwerks ist. Sonst machst du halt Hokuspokus. Ein Ratespiel nach dem Motto: Wir müssen auf Reddit sein.
Kurze, lustige Anekdote zum Thema Reddit: Ich hatte letzte Woche ein Erstgespräch mit einem Unternehmen, das einfach random Reddit gemacht hat, obwohl Reddit in seiner Branche gar nicht zum Netzwerk gehört. Und sie haben es geschafft, dass alle vier Leute im Marketing permanent, dauerhaft, für immer, bis zum Tod bei Reddit gebannt wurden.
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