llms.txt und Grounding Pages: Was beeinflusst, ob KI meine Marke empfiehlt?

Ich habe vor Kurzem das Anforderungsdokument gelesen, das ein Freelancer für einen unserer Kunden geschrieben hat, Thema KI-Sichtbarkeit. In diesem Dokument stand kein einziger Punkt, der diesem Unternehmen irgendetwas bringt.

Drin stand: llms.txt, Grounding Pages, alle Seiten zusätzlich als Markdown, strukturierte Daten. Also genau die Liste, die gerade überall herumgeht. Für so gut wie jedes Geschäftsmodell, ist diese Liste wirkungslos bzw. Fleißarbeit.

Ich zeige dir in diesem Video, warum immer genau diese Maßnahmen so beliebt sind, warum sie garantiert nichts bringen, und mit welchen vier Schritten du stattdessen wirklich vorankommst.

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Warum fühlt sich Marketing gerade so an, als würde es jedes Jahr schlechter funktionieren?

Ich höre das in fast jedem Erstgespräch. Wir machen mehr als früher, wir machen es besser als früher, und es kommt weniger raus. Weniger Leads, weniger Sichtbarkeit, weniger Wirkung.

Das ist keine Einbildung. Dein Team ist auch nicht schlechter geworden. Ihr fahrt wahrscheinlich das gleiche Playbook wie vor drei Jahren, nur professioneller. Das Playbook ist bloß für einen Markt gebaut, der nicht mehr existiert.

Am einfachsten sieht man das an einem Beispiel, das nichts mit Marketing zu tun hat. Im App Store gibt es rund 2,2 Millionen Apps. Auf deinem Handy sind vielleicht 40, und aktiv nutzt du zehn. Von den Millionen Apps, die du nicht hast, wären hunderte wirklich nützlich für dich. Du lädst sie trotzdem nicht runter.

Die Financial Times hat das mal geplottet: App-Produktion explodiert, App-Downloads stagnieren oder gehen leicht zurück.

Diese Grafik zeigt die harte Obergrenze menschlicher Kapazität. Es gibt nur so viele Menschen, nur so viele Stunden am Tag, nur so viel Geld im Portemonnaie und nur so viel Aufmerksamkeit im Kopf. Ab einem bestimmten Punkt hört „gut“ auf, ein Vorteil zu sein, weil gut nicht in einen Kopf kommt, der voll ist.

Genau das passiert deinen Newslettern, deinen Ads, deinem Content, deinen Launches. Jeder Kanal, den du anfasst, sitzt auf der falschen Seite eines Verhältnisses: Menge an Zeug zu vorhandener Aufmerksamkeit. Halte dieses Verhältnis für den Rest des Videos im Kopf, weil daran alles hängt. Deine Arbeitszeit ist begrenzt, dein Budget ist begrenzt, die Aufmerksamkeit deiner Zielgruppe ist begrenzt. Unbegrenzt ist nur eines: die Menge an Marketing, die gleichzeitig auf diese Zielgruppe einprasselt.

Was hat KI damit zu tun?

Weniger, als die meisten glauben, und trotzdem alles. KI hat dieses Problem nicht erzeugt. KI hat es eskalieren lassen.

Wenn du zwanzig Jahre digitalen Fortschritt anschaust, ist das im Kern immer dasselbe Projekt gewesen: der Kampf gegen Reibung. E-Mail statt Brief. One-Click-Checkout statt Bestellformular. Videocall statt Anreise. Templates statt Design. Automatisierung statt Handarbeit. No-Code statt Entwickler. Jetzt KI statt allem.

Auf dem Papier klingt das großartig. Wir nehmen den Aufwand raus, dann werden Menschen frei für die guten Sachen. Jeder, der ein Postfach hat, weiß, wie das ausgegangen ist. Reibung wegzunehmen befreit nicht. Es begräbt dich unter dem, was die Reibung vorher zurückgehalten hat.

Reibung war nämlich nie nur ein Hindernis. Reibung war ein Filter. Sie hat dich gezwungen, deine Ideen vorher zu hinterfragen. Sie hat dich gezwungen, dich auf das zu beschränken, was wirklich zählt. Sie hat außerdem deine Kunden davor geschützt, jeden Morgen von 400 Nachrichten getroffen zu werden.

Daraus ergibt sich eine Regel, die du auf alles anwenden kannst, was du im Marketing planst: Was im Überfluss vorhanden ist, verliert seinen Wert. Egal wie gut es ist. Wenn etwas gut ist, aber überall verfügbar, dann ist es wertlos, und dann funktioniert es nicht mehr.

Übertragen auf unsere Welt heißt das: Es gibt inzwischen so viel gutes Marketing, dass es praktisch kein gutes Marketing mehr gibt. Ich habe das ganz am Anfang der KI-Welle schon zum Thema Content gesagt, und es gilt jetzt für alles: Mittelmäßigkeit ist unbegrenzt verfügbar. Mittelmäßigkeit ist deshalb nicht mehr das, was Aufmerksamkeit bekommt.

Das Verhalten deiner Zielgruppe hat sich entsprechend geändert. Ich merke das an mir selbst. Wenn ich heute etwas im Feed sehe, das wirklich gut aussieht, ist mein erster Gedanke nicht mehr „interessant“. Mein erster Gedanke ist: Lese ich später (heißt nie). Oder Skepsis, ob es meine Zeit wert ist.`

Was diese Skepsis überschreibt, ist immer dasselbe: ein Name, dem man schon vertraut. Eine Marke, eine Publikation, eine Person, die man kennt. Menschen filtern nicht härter, dazu sind sie zu erschöpft. Sie ziehen sich auf ein kleines, geschlossenes Set an Quellen zurück. Eine Zeitung, zwei Fachmedien, drei Creators, fertig. Ich habe vor Kurzem meine Abos beim Economist und The Verge gekündigt.

Genau dieses Verhalten ist in die Systeme eingebaut, mit denen wir es jetzt zu tun haben. ChatGPT, der KI-Modus von Google, Copilot und Claude machen im Prinzip dasselbe: Sie ziehen aus einem begrenzten Set an Quellen, denen sie in einem bestimmten Kontext vertrauen. Deine Aufgabe im Thema KI-Sichtbarkeit ist nicht, einem Bot das Lesen zu erleichtern. Deine Aufgabe ist, diesen Systemen einen Grund zu geben, deine Marke zu empfehlen.

Warum landen dann trotzdem alle bei llms.txt?

Weil es keine Reibung hat.

Das ist die ganze Erklärung. llms.txt kostet dich einen Nachmittag, du kannst es abhaken, du kannst es ins Reporting schreiben. Niemand muss dafür ein unangenehmes Telefonat führen, niemand muss Budget verteidigen, niemand muss eine andere Abteilung um Mitarbeit bitten. Es ist die einzige Art von Projekt, die intern nie auf Widerstand trifft, und das sollte dich misstrauisch machen.

Ich finde das ehrlich gesagt gleichzeitig witzig und deprimierend, weil wir das schon einmal hatten. Im SEO war es strukturierte Daten, robots.txt, Crawl-Budget, WDF*IDF. Das waren die Themen, mit denen sich alle wochenlang beschäftigt haben. Sind diese Themen irrelevant? Nein. Für die zwanzig größten Plattformen im deutschsprachigen Raum ist Crawl-Budget-Optimierung geschäftskritisch, da geht es um echtes Geld. Für dein Unternehmen mit 400 URLs ist es das nicht.

Es ist immer dasselbe Muster. Die Leute verlieben sich in Zugänglichkeit. Wie kommt der Bot auf meine Seite, wie findet er schneller, was er braucht, wie versteht er meine Inhalte besser. Das sind Basics, die kein Wachstum, keine Veränderung bringen. Und was sie schon gar nicht sind: ein Wettbewerbsvorteil.

Am deutlichsten sehe ich das in unseren Webinaren. Die Fragen kommen zu llms.txt, zu Grounding Pages, zu Markdown-Versionen, zu strukturierten Daten. Niemand fragt: In meiner Kategorie, zu meiner Positionierung, was ist das Netzwerk an Quellen, in das ich rein muss, und wie komme ich da rein? Diese Frage kommt fast nie, obwohl sie die einzige ist, die über das Ergebnis entscheidet.

Heißt das, du sollst llms.txt und die ganzen technischen Punkte nicht machen? Nein. Mach sie. Das ist Händewaschen. Händewaschen ist sinnvoll, es dauert zwanzig Sekunden, und es ist keine Strategie. Wenn dein Plan für die nächsten sechs Monate llms.txt, Grounding Pages und Markdown-Versionen heißt, dann spare dir das Geld und fahr auf Urlaub. Das Ergebnis ist dasselbe, du bist aber wenigstens erholt.

Wie erkennst du, ob eine Maßnahme überhaupt etwas bringen kann?

Bevor du das nächste Mal irgendetwas auf deine Maßnahmenliste schreibst, stell dir zwei Fragen.

Erste Frage: Kann mein direkter Konkurrent das morgen in zwei Stunden nachmachen? Wenn ja, ist es kein Wettbewerbsvorteil. Dann ist es Hygiene.

Zweite Frage: Würden wir das auch machen, wenn es zehnmal so teuer wäre? Wenn die Antwort ja ist, steckt echter Wert drin. Wenn die Antwort nein ist, dann ist es billig, einfach und wahrscheinlich machen es gerade alle.

Diese zwei Fragen räumen die meisten GEO-Listen leer, die gerade herumgeschickt werden. Ein Punkt noch dazu, damit das nicht falsch ankommt: Reibung ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, sich das Leben absichtlich schwer zu machen. Reibung ist nur der zuverlässigste Hinweis darauf, dass etwas knapp ist. Knappheit ist der Wettbewerbsvorteil, nicht die Mühe.

Womit solltest du dich stattdessen beschäftigen?

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge.

Schritt eins: die Basics, in einer Woche, nicht in einem Quartal. Deine Seite muss zugänglich sein, deine Inhalte müssen auffindbar sein, die technische Grundlage muss stehen. Das ist Tag eins. Dann ist es fertig und kommt nicht mehr auf die Agenda.

Schritt zwei: glasklar machen, was du für wen bist. Deine Website ist der Ort, an dem du deine Identität definierst. Deine Inhalte müssen die Schmerzpunkte, die Wünsche und die Entscheidungskriterien deiner Zielgruppe besser abbilden als alle deine Konkurrenten. Nicht „Ihr Partner für digitale Lösungen“, sondern eine Aussage, bei der ein Modell erkennt, in welchem Kontext du die Antwort bist. Wenn du selbst nicht in einem Satz sagen kannst, warum dich eine KI in einer bestimmten Situation empfehlen sollte, dann kann es ChatGPT auch nicht.

Schritt drei: herausfinden, woher die KI in deiner Kategorie ihre Informationen holt. Dafür brauchst du ein ordentliches Prompt-Tracking-Setup, und zwar nicht, um zu zählen, wie oft dein Name fällt. Die relevante Auswertung ist: Welche Quellen zitieren die Modelle bei den Prompts, die für dein Geschäft zählen? Das ist so gut wie nie „Reddit“ allgemein. Das ist in jeder Kategorie ein anderes Set: zwei Fachmedien, ein Verbandsportal, drei Vergleichsseiten, ein Forum, eine Hersteller-Datenbank. Das ist dein Netzwerk.

Schritt vier: in dieses Netzwerk reinkommen. Das ist die Arbeit. Kontakte zu Journalisten aufbauen und pflegen. Eigene Daten erheben, echte Marktforschung, die Geld kostet, und daraus Assets bauen, die zitierbar sind. Für Placements bezahlen, wo es sinnvoll ist. Ein Tool bauen, das es sonst nicht gibt. Auf Bühnen stehen. Thought Leadership machen, die wirklich eine These hat und nicht nur eine Meinung wiederholt.

Nimmt dir KI diesen Teil ab? Nein. Kannst du KI dafür nutzen? Definitiv, bitte nutze sie weiter, wir machen das jeden Tag. Der Punkt ist nur: Der Teil, der über das Ergebnis entscheidet, bleibt mühsam, und das ist genau der Grund, warum er noch funktioniert.

Wie stark dieser Effekt ist, sieht man an einem Kunden von uns aus der Energiespeicherbranche, ein Milliardenkonzern. Auf der Website hatten die praktisch nichts, was irgendwo rankt, kein relevanter organischer Traffic. Im Prompt Tracking wurde diese Marke im richtigen Kontext trotzdem immer wieder empfohlen. Nicht wegen der Website. Die Marke ist in diesem Netzwerk und in dieser Kategorie einfach eine bedeutende Entität.

Heißt das jetzt, SEO ist irrelevant für KI-Sichtbarkeit? Nein, ganz sicher nicht. Bei genau diesem Kunden wäre die Situation mit ordentlicher Arbeit auf der Website deutlich besser, als sie ist. Beides gehört zusammen. Ich erzähle das Beispiel nur, weil es so gut zeigt, was wichtig ist.

Was ist mit den GEO-Tricks?

Es gibt sie noch. Bestenlisten sind der offensichtlichste, in vielen Branchen beeinflussen sie massiv, was empfohlen wird, und man kann sich da einkaufen. Funktioniert das aktuell noch? Ja. Man sieht aber schon, wie schnell die Modelle darauf reagieren und solchen Seiten weniger Gewicht geben.

Der Punkt dahinter ist größer: Es gibt immer weniger Zauberstücke, mit denen du fehlende Autorität, fehlende Vertrauenswürdigkeit, fehlende Erfahrung und fehlende Expertise überspielen kannst. Das läuft aus. Diese Systeme werden absurd schnell besser darin, echte Autorität von gut gebauter Oberfläche zu unterscheiden.

Warum kann dir niemand mehr eine allgemeingültige GEO-Checkliste geben?

Das ist der Teil, den ich am wichtigsten finde, und deshalb kommt er am Schluss.

Im SEO gab es allgemeingültige Tipps, und die waren auch wirklich allgemeingültig. Saubere Struktur, Title-Tags, interne Verlinkung, Ladezeit, Backlinks. Diese Punkte galten für fast jeden, weil es eine Ergebnisseite gab, mit zehn Links, mehr oder weniger gleich für alle.

Diese Welt ist weg. Wir sind in einer Situation mit vollständiger Personalisierung. Jede Antwort ist anders, je nach Person, Kontext, Vorgeschichte und Formulierung. Es gibt keine Position eins mehr, die man für alle gleichzeitig optimiert.

Deshalb ist jede allgemeingültige GEO-Checkliste, die du gerade auf LinkedIn oder noch schlimmer TikTok siehst, im Kern Bullshit. Die einzelnen Punkte sind nicht falsch. Sie sagen nur nichts über deine Kategorie, deine Positionierung und dein Netzwerk aus. Diese Listen sind ein Ersatz für Diagnose, und Diagnose ist mühsam und teuer.

Was du brauchst, ist die Reihenfolge, die in jeder anderen ernsten Disziplin auch gilt: erst Diagnose, dann Strategie, dann Plan, dann Taktik. Die meisten Unternehmen starten bei Taktik, weil Taktik sich nach Fortschritt anfühlt. Was ist eine der häufigsten Aussagen von ungeduldigen Interessenten? Nein, wir wollen keine Strategie und keine Diagnose mehr. Wir müssen PS auf die Straße bringen. Der Witz dabei: Sie haben keine Ahnung, was PS auf die Straße bringt, und würden einfach lieber Geld einfach verbrennen.

Es gibt zwei Sorten Arbeit in deinem Marketing: die, die dir niemand nachmachen kann, und die, die morgen jeder mit einem Prompt in Claude Code erledigt. Die zweite Sorte kostet dich gerade das Budget und die Zeit, die du für die erste brauchst.

Wenn du wissen willst, wie das für deine Kategorie konkret aussieht, aus welchen Quellen die Modelle bei deinen relevanten Prompts ziehen und was davon für dich realistisch erreichbar ist: Genau das machen wir als AI Visibility Audit mit anschließender GEO-Roadmap, also Diagnose, Strategie, Plan, Taktik in dieser Reihenfolge, und wir übernehmen die Umsetzung danach mit. Denn: Eine Roadmap, die niemand umsetzt, ist auch nur eine Liste. Den Link findest du in der Beschreibung.

Founder, CEO

Alexander ist Gründer und Geschäftsführer von Evergreen Media®

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